WildparkJunxx Karlsruhe e.V. - Der etwas andere Fanclub


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Beitrag Supp´s

Medien


Folgender Text erschien vor einigen Tagen im FanZine der Supporters Karlsruhe.
Wir bedanken uns an dieser Stelle für die Möglichkeit der Mitwirkung in dem Heft.


FUSSBALL IST ALLES – AUCH SCHWUL


Unser Herz schlägt für den KSC.
Zum Teil seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, zum Teil ganz neu. Wir sind schwul, hetero, lesbisch oder bi.
Aber immer blau-weiß.


Einen schwulen Fußball-Fanclub, braucht man so was überhaupt?!
Wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, kommt man recht schnell zu der Antwort: LEIDER JA !
Bei den meisten schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs handelt es sich nämlich definitiv
nicht um ‚Spaßfanclubs’, bei denen vor allem anderen das gesellige Beisammensein im Vordergrund steht. Das soll nicht heißen, dass es bei uns nicht gesellig zugeht, vielmehr steht bei uns jedoch die gemeinsame, Fanclub-übergreifende Arbeit und Aufklärung im Vordergrund; aber nicht etwa die Aufklärung über Bienchen und Blümchen, sondern über das Tabu-Thema Nr.1 im Fußball – Homosexualität; oder einfach: „schwul-, lesbisch-, bi-sein“.
Leider sind immer noch die meisten Homosexuellen gezwungen, in Stadien einen bedeutenden Teil ihrer Identität zu verstecken. Gerade im Fußball kommt es nicht selten zu verbalen Übergriffen gegen Homosexuelle.
In der Politik und im Show-Business ist Homosexualität beinahe schon Alltag. In einigen Sportarten ebenfalls... (und nein, nicht nur in Rhythmischer Sportgymnastik
!). Nur im Fußball will der Stein nicht so richtig ins Rollen kommen – oder kennst DU einen Profi-Fußballer, der offen dazu steht, schwul zu sein ?

„Statistisch gesehen ist Einer von 11 schwul“.

Wäre es denn wirklich so schlimm, wenn ein Spieler vom KSC offen bekennen würde „Ja, ich bin schwul“, er sich also ‚outet’?
Wir sind der Meinung, dass die Reaktionen im heimischen Wildpark anfänglich wohl eher etwas zurückhaltend wären, würden sich aber sicher recht schnell wieder normalisieren. Zumal wir in einer ähnlichen Sache auch schon ein positives Gespräch mit unserem Vorsänger’ Daniel Schneider führten:
Damals ging es um eine schwulenfeindliche Äußerung (welche ich hier nicht unbedingt wiederholen möchte) während der Heimspiele, die wir so nicht stehen lassen konnten. Wir haben unserem Ärger Luft verschafft und mit Daniel gesprochen, worauf er beim nächsten Heimspiel das Thema offen im Block ansprach und endgültig für Klärung sorgte. Der umstrittene Satz wurde seither nicht mehr gerufen, wofür wir Daniel und den anderen Fans sehr dankbar sind!


Aber wie sieht das in den anderen Stadien aus? Würde man einen schwulen KSC-Spieler durch Gesänge, aus der gegnerischen Kurve heraus, beleidigen? Könnte er unter diesem Druck befreit Fußball spielen? Privates, was definitiv nicht auf den Fußballplatz gehört, würde sich hier unweigerlich mit Beruflichem vermischen.
Eine gesunde Rivalität gehört sicher dazu. Doch überschreitet man bei Äußerungen wie „Schwule Sau“ oder „Schwuchtel“ schnell eine gewisse Schmerzgrenze, die dem ein oder anderen anfänglich vielleicht gar nicht so bewusst sein mag.

Sicher kann man nun nicht erwarten, dass dieses Problem alleine von einem Fanclub aus Karlsruhe zu lösen ist. Darum haben sich die schwul-lesbischen Fanclubs aus Deutschland (zum Beispiel aus Berlin, Mainz, St. Pauli...) und der Schweiz (Basel und Bern) zu den„Queer Football Fanclubs“ (kurz: QFF), unter dem Motto:
„Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“
Zu einem Dachverband zusammen geschlossen.
Gemeinsam gehen wir aktiv gegen Homophobie
* im Fußball vor:Durch Zusammenarbeit untereinander, zwischen Fans, den Vereinen, Verbänden, der DFL und dem DFB.

*Homo-was ?!
Homophobie (von griech. homós: gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet hauptsächlich eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit oder „die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen“ [Quelle: wikipedia.de].


Warum gibt es solche Fanclubs erst seit ein paar Jahren ?
Ein Grund hierfür mag sicher sein, dass in Deutschland ein gesellschaftlicher Wandel passiert, was das Thema Homosexualität betrifft. Dieser Wandel hat bisher jedoch an so manchem Stadiontor Halt machen müssen. Warum?! Wir wissen es auch nicht ganz genau. Fakt ist jedoch, dass die schwul-lesbischen Fanclubs genau dazu beitragen möchten, den positiven Trend der Zeit mit ins Stadion zu nehmen, um auch von dort jegliche Art von Diskriminierung zu vertreiben.
Der erste schwul-lesbische Fußball-Fanclub waren übrigens die Hertha-Junxx aus Berlin, die sich bereits im Jahr 2001 gründeten.


-um ein tolerantes Klima gegenüber Minderheiten im Fußball zu schaffen,
-um zur Aufklärung beizutragen,
-um Ansprechpartner für Fans, Vereine und Verbände zu sein,
-um den KSC lautstark zu unterstützen,

gibt es die WildparkJunxx – und das ist auch gut so !


Der einzig wirkliche Unterschied zu anderen Fanclubs des KSC ist doch nun wirklich nur der, dass die meisten Mitglieder bei uns eben schwul sind... na und...?!
Wir wollen nicht bevorzugt, aber auch nicht benachteiligt werden.

Übrigens:
Um bei uns Mitglied zu werden, musst du nicht schwul, lesbisch oder bisexuell sein. Wir haben in unserem Fanclub auch heterosexuelle Mitglieder, denen es, neben dem KSC einfach auch um die Sache geht. Dir auch?! Dann kontaktiere uns doch – natürlich völlig unverbindlich!


Die WildparkJunxx
Karlsruhe till I die !


Eckdaten zum Fanclub:

Gegründet am 21.01.2007
Offiziell anerkannter Fanclub des Karlsruher SC
Mitglied der Queer Football Fanclubs (QFF)
Unterzeichner der Leipziger Erklärung gegen Diskriminierung im Fußball
*
Momentan 25 Mitglieder – vielleicht auch bald
DU?!


*Die Leipziger Erklärung gegen Diskriminierung im Fußball findet ihr weiter unten im Text. Die unterzeichnenden Vereine/ Verbände verpflichten sich damit, aktiv gegen Diskriminierungen im Fußball, welcher Art auch immer, vorzugehen.
Bisher haben zahlreiche Vereine die Erklärung unterschrieben, u.a. einige Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga.
Auch die Supporters Karlsruhe zählen zu den Unterzeichnern, der KSC hält sich hierbei allerdings noch etwas zurück – schade, wie wir finden.

Hier erreicht man uns:

info@wildpark-junxx.de

www.queerfootballfanclubs.com




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